Landesverband für Amphibien- und Reptilien-Schutz in Bayern e.V.

Sumpfschildkröte, Feuersalamander, Ringelnatter, Springfrosch, Zauneidechse

Ausgangssituation

Bestandserfassungen der Gelbbauchunke lagen aus dem Gebiet aus den Jahren bis 1992 und 2003 vor. Bezogen auf die Anzahl der Vorkommen (Tümpel oder Tümpelkomplexe, Pfützen, Fahrspuren) zeigt sich keine wesentliche Verände­rung in diesem Zeitraum:

  • Bestand 1992: 70 Vorkommen (Kartierung K.-H. Schaile)
  • Bestand 2003: 76 Vorkommen (Kartierung E. Krach)

Entscheidend zur Einschätzung der realen Situation ist aber nicht nur die Zahl der Vorkommen. Zu berücksichtigen sind auch die Altersstruktur und die Größe der Vorkommen, die Reproduktionsrate und das Angebot an tatsächlichen Laich­gewässern. Bei der Betrachtung dieser Faktoren zeigte sich, dass die Situation der Gelbbauchunke äußerst kritisch war:

  • 2003/2004 befanden sich die Populationen im Landkreis auf dem Tiefpunkt.
  • Im Jahr 2005 erwiesen sich die Vorkommen oft als sehr individuenarm (oftmals nur einzelne oder wenige Tiere) und überaltert. Es wurden nur ca. 1.000 Hüpferlinge gezählt. Viele Gewässer trockneten vorzeitig aus, so dass hier keine Reproduktion möglich war.

Maßnahmen zur Bestandserhaltung waren daher dringend geboten, um die Art im Landkreis langfristig zu halten.

Im Altlandkreis Neuburg an der Donau sind Vorkommen der Gelbbauchunke nur im geomorphologischen Bereich des südlichen Frankenjura zu erwarten; andere Bereiche waren für die Art schon früher nicht geeignet. Artenhilfsmaßnahmen konnten sich daher auf diesen Bereich beschränken. Gerade dieser Bereich sollte daher mit Biotopen für die Art „aufgewertet“ werden, da auch dort bereits Lücken entstanden waren.



Ursachen der Bestandsrückgänge

  • Gewässerregulierungen
  • Sommertrockenheit
  • Drainagen in Wiesen einschließlich Verrohrung von kleinen Wiesengräben
  • Verfüllungen von Wagenspuren, kleinen Gräben und Pfützen
  • Industrielle Landwirtschaft
  • Geänderte Abbaumethoden (z.B. von Kies und Sand)
  • Fehlende Beweidung
  • Auflösung von Truppenübungsplätzen
  • Vernichtung von Strukturvielfalt

und mit ganz entscheidend:

  • Beseitigung von „Störstellen“ im Wald (entstanden z.B. nach dem Einsatz von Rücke­zügen oder Harvestern)
  • Mangelnde bzw. fehlende Artenkenntnisse und „Sauberkeitswahn“ (auch bei Naturschützern)

Artenhilfsmaßnahmen ab 2006

  • Optimierung bestehender Tümpel: Gehölze entfernt und ggf. leicht tiefer gelegt.
    Solche Arbeiten sind immer mit dem Risiko verbunden, dass die Tümpel ent­weder zu tief und zu groß werden oder dass ggf. die wasserführende Schicht durchstoßen wird. Besser für die Unke ist daher:
  • Anlage neuer Tümpel/Pfützen und Tümpelkomplexe mit Hilfe eines Radbaggers
  • Pflege der Tümpelkomplexe, ggf. jedes Jahr
  • Überwachung der Reproduktion; ggf. Laichgewässer neu nachbaggern, um „besseren“ Rohboden zu schaffen.

Die Durchführung erfolgte durch und mit Unterstützung von:

  • Bund Naturschutz, Kreisgruppe Neuburg-Schrobenhausen, mit Zuschüssen der Regierung von Oberbayern (70%) und Vorfinanzierung durch den BN bzw. Übernahme der restlichen 30% Kosten
  • Bundesforstamt Stockdorf, Forstrevier Keltenwall (Eigenmittel/Landratsamt/Bund Naturschutz)
  • Bayerische Staatsforsten, Forstbetrieb Kaisheim
    (Eigenmittel/Bund Naturschutz)
  • Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes Neuburg-Schrobenhausen (Regierung und Eigenmittel des Landratsamtes)
  • Privatwaldbesitzer (Freiherr von Redwitz) — Mittel der Regierung und Eigenmittel
  • Studienseminar Neuburg (Eigenmittel Wegebau)

Flächen zur Durchführung der Maßnahmen wurden von verschiedenen Firmen, Behörden, Institutionen etc. zur Verfügung gestellt:

  • Grubenflächen — in großem Stil durch die Fa. Hoffmann Mineral (Eigenmittel) auf Anregung des Bund Naturschutz und Eigeninteresse
  • Staatsgutflächen Straß-Moos (Wiese/Kiesgrube) — Genehmigung an Bund Naturschutz (Mittel Regierung und Bund Naturschutz)
  • Gemeindeflächen (Rennertshofen, Oberhausen, Neuburg, Burgheim, Bergheim) — Genehmigung — Mittel über Regierung/Landratsamt/Bund Naturschutz
  • Rechtlerflächen — Genehmigung — Mittel über Regierung/Bund Naturschutz
  • Landkreisflächen — Genehmigung — Mittel über Regierung/Bund Naturschutz
  • Flächen des Straßenbauamtes Ingolstadt (Eigenmittel/Mittel des Bund Naturschutz)
  • Kirchengrundstücken — Genehmigung — Mittel über Regierung/Bund Naturschutz
  • Flächen von Privatpersonen und Bund Naturschutz-eigenen Flächen — Genehmigung — Mittel über Regierung/Bund Naturschutz

Kosten im Jahr 2011 (Bund Naturschutz) speziell für den Unkenschutz

Für 44 Unkentümpel an 13 verschiedenen Stellen wurden ca. 1.000 € aus­gegeben (Maschineneinsatz). Der Pflegeeinsatz wird ehrenamtlich erbracht, d.h. Perso­nalkosten fallen nicht an.

Kosten für die Maßnahmen allgemein

Kosten für Radbagger: aktuell (2011) 55 €/Stunde netto.

Um den Bestand im Landkreis stabil zu halten, sind in Zukunft m.E. alle zwei Jahre höchstens ca. 700 € erforderlich (Kosten für den Maschineneinsatz, mit ehrenamtlichen Helfern).


Auch einmal ungewöhnliche Wege gehen

  • Tümpel sollen aussehen, als ob eine Bombe eingeschlagen hat — viel Struktur ist wichtig. Schönheit im menschlichen Sinne spielt keine Rolle; von diesem Bild sollte man sich schnellstens verabschieden.
  • Die beste Zeit zum Ausbaggern der Tümpel ist Ende April/Anfang Mai — dann können vor der Laichperiode der Unken keine Prädatoren (Fressfeinde) „ein­ziehen“, die Unken können den Biotop sofort optimal besiedeln.
  • Tümpel können durchaus auch einmal nachgebaggert werden. Wenn die Fläche nicht reicht, können sie auch wieder verfüllt werden, wenn sie „unbrauch­bar“ geworden sind, und im Turnus im nächsten Jahr neu entstehen.
  • Manchmal sind mehrmalige Bagger-Einsätze notwendig, bis die Tümpel optimal sind. Sie können zu klein, zu flach, an einer falschen Stelle sein, oder bei extremem Pech auch alle „Trockentümpel“ werden. Dann kann immer noch überlegt werden, ob man Folien einsetzt. Kosten für drei Flachtümpel mit 50—70 qm: ca. 700 €. Für die hochbedrohten Pionierarten sind m. E. Folien durchaus vertretbar, wenn auch nicht die erste Wahl.

... und wenn es eimal nicht so klappt wie gewünscht: nicht entmutigen lassen und weiter machen!


Erfolge in den Jahren 2006 bis 2010

Durch die genannten Maßnahmen konnte die Zahl der Hüpferlinge deutlich erhöht werden:

  • 2005: ca. 1.000 (Vor Beginn der Maßnahmen)
  • 2006: ca. 2.000
  • 2007: ca. 5.000
  • 2008: ca. 3.000
  • 2009: ca. 5.000
  • 2010: über 5.000

2009/10 waren zudem sehr nasse Jahre; in diesen beiden Jahren konnten wieder Unken in allen Größenklassen zahlreich gefunden werden.

Eine Zählung und Schätzung der adulten Gelbbauchunken im Jahr 2010 ergab einen Bestand von ca. 2.800 adulten Tieren an 90 + max. 15 Stellen (die ich nicht kenne bzw. übersehen habe) im Landkreis, also aktuell an maximal 105 Biotopen. Davon wurden ca. 45% der Individuen südlich und ca. 55% nördlich der Donau gefunden.

Große (Meta-)Populationen existieren in den Bereichen:

  • südlich der Donau: Kreidebruch Oberhausen (ca. 350 Individuen), NSG Kreut und IVG (Tanklager)(ca. 150), Altwasser „Alte Rinne“ und Weveldschütt westlich unterhalb des Steppberges (ca. 500).
  • nördlich der Donau: Steinbruch Hütting (ca. 350 Individuen), Steinbruch Mauern (ca. 250), Grube Schaflache (ca. 100), Grube Pfaffengrund gesamt (ca. 150), unterhalb NSG Finkenstein — Hangfuß (ca. 120).

Fazit und Ausblick

Die Maßnahmen erwiesen sich als sehr erfolgreich. Die Gelbbauchunken­bestände konnten nicht nur stabilisiert, sondern vergrößert werden; insbeson­dere die Reproduktionsrate (Anzahl der jährlich metamorphosierten Tiere) konnte erheblich gesteigert werden. Allerdings sind weiterhin Artenhilfs­maßnahmen erforderlich:

  • Infolge der Sukzession müssen immer wieder neue Laichgewässer geschaffen oder vorhandene optimiert werden (Faustregel: alle drei Jahre).
  • An den Rändern der alten Nachweisgebiete sind die Bestände immer noch ausgedünnt bzw. nicht mehr vorhanden:

    • Ried und Joshofen (keine Nachweise)
    • Ausgedünnte Vorkommen im Staatsforst — Unterhauser/Sehensander Forst; Unken erreichen nicht mehr Sinning
    • Ausgedünnte Vorkommen um Straß (hier finden aktuell Maßnahmen statt, die eine Verbesserung erkennen lassen)
    • Gebiet nordwestlich Rennertshofen: keine Reproduktion der Unken

Einige Biotope (nicht alle) müssen jährlich gemäht und/oder freigeschnitten werden. Für die Unkenbiotope fallen ca. 150 Stunden an Pflegeeinsatz an. Es kann auch mal weniger sein.

Probleme treten immer wieder auf. Durch die extreme Trockenheit im Frühjahr 2011 war das Pflanzenwachstum zwar stark eingeschränkt, d.h. es war wenig Pflege notwendig. Viele Tümpel waren aber ausgetrocknet, so dass den Unken deutlich weniger Laichgewässer zur Verfügung standen.

Trockenheit kann sich aber auch positiv auswirken: Wenn es nach einer längeren Trockenperiode wieder regnet, sind die Predatoren in den — zwischen­zeitlich trocken gefallenenen — Tümpeln verschwunden; bleiben die Tümpel dann sechs bis acht Wochen gefüllt, können sich die Unken optimal vermehren.

Sollte es längere Zeit nicht oder zu wenig regnen, lässt sich dem dadurch begeg­nen, dass bei jedem Unkenbiotop so viele Tümpel wie möglich mit verschiede­nen Tiefen anzulegen (aber nicht zu tief — Erfahrungswerte sammeln), damit in allen Jahren wenigstens in einigen Tümpeln Reproduktion möglich ist. Eine Kontrolle ist dann unerlässlich. Es sollte daher für die Gelbbauchunke (und die anderen Pionierarten Kreuzkröte und Wechselkröte) ein Betreuer pro Landkreis eingerichtet werden, analog der Biber- oder Storchenbetreuer.


... und noch ein Hinweis am Schluss:

Nicht nur die Unkentümpel brauchen „Nachschau“! — Gut zwanzig Jahre nach der ersten Tümpelbauwelle durch die Naturschutzverbände sollten alle „alten“ Tümpel kontrolliert werden. Bei uns stellte sich heraus, dass viele zugewachsen waren und es notwendig geworden war, die Tümpel wieder nachzubaggern und ggf. auch freizuschneiden. Wird das nicht getan, sind die Tümpel der weiteren Sukzession unterworfen und werden für alle Amphibien als Reproduktions­gewässer mehr oder weniger unbrauchbar.

Die Sukzession ist zwar ein natürlicher Prozess. Wegen der fehlenden natür­lichen Dynamik entstehen aber praktisch keine Gewässer mehr auf natürlichem Wege neu. Es ist daher immer noch besser, die Sukzession aufzuhalten, als alles beschattet und verwachsen vorzufinden — ein Urwald gedeiht nicht auf einem Hektar. Größer sind diese Flächen nämlich meist nicht — eher sind sie noch kleiner.

Also ran an´s Werk — dann haben Sie wieder für 20 Jahre Ruhe, und die Amphibien, Reptilien, Libellen usw. werden es Ihnen danken!


Ansprechpartner für Fragen zu den Artenhilfsmaßnahmen:

Karlheinz Schaile
Augustusstr. 18
86343 Königsbrunn
Tel. 08231/33184
E-Mail: karlheinz.schaile@web.de



interner Link Abbildungen zu den Maßnahmen 

 


Text: K.-H. Schaile
Redaktion: Th. Dürst
Fotos: Th. Dürst
letzte Aktualisierung: 30. Juni 2011