Bestandserfassungen der Gelbbauchunke lagen aus dem Gebiet aus den Jahren bis 1992 und 2003 vor. Bezogen auf die Anzahl der Vorkommen (Tümpel oder Tümpelkomplexe, Pfützen, Fahrspuren) zeigt sich keine wesentliche Veränderung in diesem Zeitraum:
Entscheidend zur Einschätzung der realen Situation ist aber nicht nur die Zahl der Vorkommen. Zu berücksichtigen sind auch die Altersstruktur und die Größe der Vorkommen, die Reproduktionsrate und das Angebot an tatsächlichen Laichgewässern. Bei der Betrachtung dieser Faktoren zeigte sich, dass die Situation der Gelbbauchunke äußerst kritisch war:
Maßnahmen zur Bestandserhaltung waren daher dringend geboten, um die Art im Landkreis langfristig zu halten.
Im Altlandkreis Neuburg an der Donau sind Vorkommen der Gelbbauchunke nur im geomorphologischen Bereich des südlichen Frankenjura zu erwarten; andere Bereiche waren für die Art schon früher nicht geeignet. Artenhilfsmaßnahmen konnten sich daher auf diesen Bereich beschränken. Gerade dieser Bereich sollte daher mit Biotopen für die Art „aufgewertet“ werden, da auch dort bereits Lücken entstanden waren.
und mit ganz entscheidend:
Die Durchführung erfolgte durch und mit Unterstützung von:
Flächen zur Durchführung der Maßnahmen wurden von verschiedenen Firmen, Behörden, Institutionen etc. zur Verfügung gestellt:
Für 44 Unkentümpel an 13 verschiedenen Stellen wurden ca. 1.000 € ausgegeben (Maschineneinsatz). Der Pflegeeinsatz wird ehrenamtlich erbracht, d.h. Personalkosten fallen nicht an.
Kosten für Radbagger: aktuell (2011) 55 €/Stunde netto.
Um den Bestand im Landkreis stabil zu halten, sind in Zukunft m.E. alle zwei Jahre höchstens ca. 700 € erforderlich (Kosten für den Maschineneinsatz, mit ehrenamtlichen Helfern).
... und wenn es eimal nicht so klappt wie gewünscht: nicht entmutigen lassen und weiter machen!
Durch die genannten Maßnahmen konnte die Zahl der Hüpferlinge deutlich erhöht werden:
2009/10 waren zudem sehr nasse Jahre; in diesen beiden Jahren konnten wieder Unken in allen Größenklassen zahlreich gefunden werden.
Eine Zählung und Schätzung der adulten Gelbbauchunken im Jahr 2010 ergab einen Bestand von ca. 2.800 adulten Tieren an 90 + max. 15 Stellen (die ich nicht kenne bzw. übersehen habe) im Landkreis, also aktuell an maximal 105 Biotopen. Davon wurden ca. 45% der Individuen südlich und ca. 55% nördlich der Donau gefunden.
Große (Meta-)Populationen existieren in den Bereichen:
Die Maßnahmen erwiesen sich als sehr erfolgreich. Die Gelbbauchunkenbestände konnten nicht nur stabilisiert, sondern vergrößert werden; insbesondere die Reproduktionsrate (Anzahl der jährlich metamorphosierten Tiere) konnte erheblich gesteigert werden. Allerdings sind weiterhin Artenhilfsmaßnahmen erforderlich:
Einige Biotope (nicht alle) müssen jährlich gemäht und/oder freigeschnitten werden. Für die Unkenbiotope fallen ca. 150 Stunden an Pflegeeinsatz an. Es kann auch mal weniger sein.
Probleme treten immer wieder auf. Durch die extreme Trockenheit im Frühjahr 2011 war das Pflanzenwachstum zwar stark eingeschränkt, d.h. es war wenig Pflege notwendig. Viele Tümpel waren aber ausgetrocknet, so dass den Unken deutlich weniger Laichgewässer zur Verfügung standen.
Trockenheit kann sich aber auch positiv auswirken: Wenn es nach einer längeren Trockenperiode wieder regnet, sind die Predatoren in den — zwischenzeitlich trocken gefallenenen — Tümpeln verschwunden; bleiben die Tümpel dann sechs bis acht Wochen gefüllt, können sich die Unken optimal vermehren.
Sollte es längere Zeit nicht oder zu wenig regnen, lässt sich dem dadurch begegnen, dass bei jedem Unkenbiotop so viele Tümpel wie möglich mit verschiedenen Tiefen anzulegen (aber nicht zu tief — Erfahrungswerte sammeln), damit in allen Jahren wenigstens in einigen Tümpeln Reproduktion möglich ist. Eine Kontrolle ist dann unerlässlich. Es sollte daher für die Gelbbauchunke (und die anderen Pionierarten Kreuzkröte und Wechselkröte) ein Betreuer pro Landkreis eingerichtet werden, analog der Biber- oder Storchenbetreuer.
Nicht nur die Unkentümpel brauchen „Nachschau“! — Gut zwanzig Jahre nach der ersten Tümpelbauwelle durch die Naturschutzverbände sollten alle „alten“ Tümpel kontrolliert werden. Bei uns stellte sich heraus, dass viele zugewachsen waren und es notwendig geworden war, die Tümpel wieder nachzubaggern und ggf. auch freizuschneiden. Wird das nicht getan, sind die Tümpel der weiteren Sukzession unterworfen und werden für alle Amphibien als Reproduktionsgewässer mehr oder weniger unbrauchbar.
Die Sukzession ist zwar ein natürlicher Prozess. Wegen der fehlenden natürlichen Dynamik entstehen aber praktisch keine Gewässer mehr auf natürlichem Wege neu. Es ist daher immer noch besser, die Sukzession aufzuhalten, als alles beschattet und verwachsen vorzufinden — ein Urwald gedeiht nicht auf einem Hektar. Größer sind diese Flächen nämlich meist nicht — eher sind sie noch kleiner.
Also ran an´s Werk — dann haben Sie wieder für 20 Jahre Ruhe, und die Amphibien, Reptilien, Libellen usw. werden es Ihnen danken!
Karlheinz Schaile
Augustusstr. 18
86343 Königsbrunn
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E-Mail: karlheinz.schaile@web.de
Text: K.-H. Schaile
Redaktion: Th. Dürst
Fotos: Th. Dürst
letzte Aktualisierung: 30. Juni 2011


